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unesco aktuell
Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission
Bonn, 13. Juli 2006 Nr. 32/2006


18 neue Stätten auf der UNESCO-Welterbeliste


Altstadt von Regensburg als Welterbe anerkannt
Das Welterbekomitee der UNESCO hat auf seiner 30. Tagung vom 8. bis 16. Juli 2006 in Vilnius,
Litauen, weitere 18 Stätten aus 18 Ländern in die Welterbeliste aufgenommen, darunter aus
Deutschland die Altstadt von Regensburg. Von den Neuaufnahmen zählen 16 zum kulturellen Erbe
und zwei zum natürlichen Erbe. Deutschland ist jetzt mit 32 Stätten auf der Liste des UNESCOWelterbes
repräsentiert. Insgesamt verzeichnet die „Liste des Kultur- und Naturerbes der
Menschheit“ jetzt 830 Stätten in 138 Ländern.
Die 16 neuen Kulturerbestätten


Äthiopien: Harar Jugol ist die vierte heilige Stadt des Islams und Zentrum der islamischen Religion am
Horn von Afrika. Sie geht auf eine muslimische Stadtgründung aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. zurück. In der
historischen Stadtanlage und am Beispiel des Harari-Hauses zeigt sich der Einfluss ursprünglicher
islamischer Kultur auf die Traditionen des ansonsten christlichen Äthiopiens.


Chile: Die Kupferminenstadt Sewell ist eine typische Ansiedlung von Minenarbeitern während der
Industrialisierung im frühen 20. Jahrhundert. Die Geschichte der Stadt ist eng verbunden mit der
Entwicklung der damals weltweit größten Kupfermine „El Teniente“. Sewell veranschaulicht die hohe
wirtschaftliche und soziale Bedeutung, die der Rohstoff Kupfer für das Land Chile hat.


China: Yin Xu, einstige Hauptstadt der späten Shang-Dynastie (1300 bis 1046 vor Chr.), ist ein
außergewöhnliches Beispiel für die Architektur der damaligen, schon hoch entwickelten chinesischen
Gesellschaft. Zahlreiche archäologische Funde belegen technische und wissenschaftliche Innovationen, zu
denen ein Sonnen- und Mondkalender und der älteste Nachweis der chinesischen Schriftzeichen gehören.
Deutschland: Altstadt von Regensburg und Stadtamhof. Regensburg war im Hohen Mittelalter ein
politisches Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und ein blühendes europäisches
Handelszentrum. Die Altstadt gilt als außergewöhnliches Beispiel für eine intakte mittelalterliche Großstadt.
Architektonische Besonderheiten sind die Patrizierhäuser und -türme, der Dom und die alte Steinbrücke aus
dem 12. Jahrhundert. Auf engem Raum reihen sich 984 Baudenkmäler, die teilweise bis auf die Römerzeit
zurückgehen.


Gambia/Senegal: Die Megalithischen Steinkreise in Gambia (Kerbatch und Wassu) und dem Senegal
(Sine Ngayène und Wanar) sind ein einzigartiges Zeugnis der Megalithkultur und markieren eine weitläufige
spirituelle Landschaft. Entlang des Flusses Gambia liegen mehr als 1000 megalithische Steinkreise und
Hügelgräber. Ihre kulturelle Bedeutung über Jahrtausende hinweg dokumentieren Funde aus den
Grabanlagen, die auf den Zeitraum vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis 16. Jahrhundert n. Chr. datiert werden.
Großbritannien: Die Minen von Cornwall und Devon sind beispielhaft für eine frühindustriell geprägte
Kulturlandschaft und zeugen von der industriellen Revolution im frühen 19. Jahrhundert. Damals wurden
zwei Drittel des Weltbedarfs an Kupfer hier produziert, technologische Neuerungen hatten hier ihren
Ursprung.


Iran: Das Felsenrelief von Bisotun aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. an der Handelsroute zwischen dem
iranischen Hochplateau und Mesopotamien ist von hoher Bedeutung für die Geschichte Südwestasiens. Die
dreisprachige Inschrift des Monuments von Darius I. gilt als wichtige Quelle für die Entschlüsselung der
Keilschrift.


Italien: Die Strade Nuove („Neuen Straßen“) und die Palazzi dei Rolli (Adelspaläste der Familie Rolli)
in Genua veranschaulichen die kulturelle, politische und ökonomische Blüte der Handelsstadt Genua im 16.
und 17. Jahrhundert. Das Ensemble ist ein bedeutendes Beispiel für die europaweite Entwicklung von
Architektur und Städtebau im Manierismus und Barock.


Malawi: Die Felsmalereien in Chongoni sind Zeugnis der Begegnung zweier Lebensformen. Sie zeigen
neben Szenen des Jäger- und Sammlervolkes der Batwa auch die Entwicklung bäuerlicher Lebensweisen der
Chewa, dem größten Volksstamm in Malawi. Die Malereien sind Meisterwerke menschlicher Kreativität und
spielen bis heute eine Schlüsselrolle in der Chewa-Kultur.


Mauritius: Das historische Lager Aapravasi Ghat in Port Louis bezeugt die Geschichte von über einer
halben Million indischer Vertragsarbeiter auf den Zuckerplantagen, die der britische Kolonialstaat zwischen
1834 und 1920 nach Mauritius importierte. Das historische Gebäude dokumentiert die erste kolonialstaatlich
geregelte Arbeitsmigration, die den Sklavenhandel ablöste, und markiert den frühen Beginn der
Globalisierung des Arbeitsmarktes. Mauritius ist damit erstmals in der Welterbeliste vertreten.


Mexiko: Die Agavenlandschaft und die Tequila-Produktionsstätten prägen seit dem 16. Jahrhundert
kulturell und landschaftlich die Region zwischen dem Vulkan Tequila und dem Rio Grande. Die Verbindung
mesoamerikanischer und europäischer Traditionen in Kultur und Technik hat außergewöhnliche Formen von
Architektur, Literatur, Film, Musik und Tanz hervorgebracht.


Oman: Das Aflaj-Bewässerungssystem im Sultanat Oman ist ein weit verzweigtes, teilweise unterirdisch
verlaufendes Kanalsystem, das über 2500 Jahre die Wasserversorgung im iranischen Hochland regelte und
heute noch Bedeutung für die Landwirtschaft hat. Zum Welterbe wurden fünf ausgewählte Aflaj-Kanäle
erklärt, die insgesamt etwa 3.000 noch funktionierende Kanalsysteme im Oman repräsentieren.
Polen: Die Jahrhunderthalle in Breslau von Max Berg zählt zu den Vorbildern der architektonischen
Moderne. Sie wurde 1913 in Stahlbeton errichtet und war mit einer Kuppelspannweite von 65 Metern zum
Zeitpunkt ihrer Fertigstellung die weltweit größte Halle dieser Art.


Spanien: Die älteste bekannte Schwebefähre „Portugalete“ (Vizcaya-Brücke) an der Bucht der Biskaya
beeinflusste seit ihrer Errichtung 1887 bis 1893 die Entwicklung von Stahlseilkonstruktionen weltweit. Das
originelle technische Meisterwerk ist zudem ein besonderes Beispiel für die ästhetische Bereicherung der
Landschaft durch ein industrielles Bauwerk.


Syrien: Die mittelalterlichen Burgen in Syrien gehören zu den am besten erhaltenen Befestigungsanlagen
aus der Zeit der Kreuzzüge (11. bis 13. Jahrhundert) im Nahen Osten. Die Festung der Johanniter „Crac de
Chevalier“ und die byzantinische Residenzburg „Festung Saladin“ sind architektonische Zeugnisse der über
drei Jahrhunderte andauernden Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen.
Tansania: Die Felsenmalereien in Kondoa geben ein einzigartiges Zeugnis über den Wandel der
Lebensweise von Jägern und Sammlern hin zur Agrargesellschaft. Die mehr als 150 Darstellungen von
Jagdszenen, Sternbildern und abstrakten Mustern werden bis heute als spirituelle Orte besucht und
dokumentieren auf einzigartige Weise die kulturelle Identität der dort lebenden Völker.


Die zwei neuen Naturerbestätten


China: Das Panda-Naturreservat in Sichuan beheimatet fast ein Drittel der weltweiten Population des
Großen Panda und ist damit das bedeutendste Schutz- und Zuchtgebiet für die bedrohte Tierart. Das Reservat
weist eine außergewöhnliche natürliche Vielfalt auf.


Kolumbien: Das Naturreservat Malpelo ist das größte und einzige unbefischte Naturreservat im
Ostpazifischen Ozean. Das intakte maritime Ökosystem ist die Heimat seltener Arten von Haien und
Riesenbarschen.


Erweiterungen


Finnland/Schweden: Mit der Erweiterung der Welterbestätte Schärenküste (seit 2000) um den finnischen
Kvarken-Archipel ist eine grenzüberschreitende Naturerbestätte „Schärenküste – Kvarken-Archipel“
entstanden. Erweiterungen beschloss das Welterbe-Komitee auch für die Welterbestätten Vall del Madriu-
Perafita-Claror in Andorra und das Kathmandu-Tal in Nepal.


Serbien und Montenegro: Die Welterbestätte Kloster Dečani wurde um drei weitere Sakralbauten (Klöster
Peć und Gračiana, Kirche der Jungfrau von Ljeviša) erweitert und in „Mittelalterliche Denkmäler im
Kosovo“ umbenannt. Gleichzeitig wurde die Stätte in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen.
Die „Rote Liste“ des gefährdeten Welterbes


Außer den Mittelalterlichen Denkmälern im Kosovo wurde das Dresdner Elbtal wegen der Gefährdung
durch einen geplanten Brückenbau in die so genannte „Rote Liste“ aufgenommen. Das Welterbekomitee
forderte Deutschland dringend auf, das Bauvorhaben „Waldschlösschenbrücke“ in Dresden zu stoppen und
nach alternativen Lösungen zu suchen, um den Schutz der Kulturlandschaft Dresdner Elbtal sicherzustellen.


Der Kölner Dom wurde von der Roten Liste gestrichen. Die Stadt Köln habe den Forderungen des Komitees
weitgehend entsprochen. Damit sei die Gefährdung des Doms abgewendet. Vier weitere Welterbestätten
konnten dank erfolgreicher Rettungsmaßnahmen ebenfalls aus der Roten Liste gestrichen werden: die
Ruinenstadt Tipasa in Algerien, der Tempelbezirk von Hampi in Indien, das Vogelschutzgebiet Djoudj
im Senegal und der Nationalpark Ichkeul in Tunesien.


Die Rote Liste verzeichnet jetzt insgesamt 31 gefährdete Welterbestätten. In der Roten Liste führt das
UNESCO-Welterbekomitee Stätten des Weltkultur- und -Naturerbes, die durch Kriege, Naturkatastrophen
oder durch menschliche Eingriffe besonders bedroht sind. Weiterhin auf der Roten Liste stehen unter
anderem die Ruinen von Jam in Afghanistan, die Altstadt von Jerusalem und der Nationalpark Everglades in
den USA. Für ihre Erhaltung sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich.


***


Die UNESCO-Welterbekonvention: Das Kultur- und Naturerbe der Menschheit zu schützen, liegt nicht
allein in der Verantwortung eines einzelnen Staates, sondern ist Aufgabe der Völkergemeinschaft. Dies ist
das Ziel der UNESCO-Welterbekonvention. Insgesamt haben 182 Staaten dieses „Übereinkommen zum
Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ seit seiner Verabschiedung 1972 unterzeichnet und sich damit
verpflichtet, die auf ihrem Territorium befindlichen Welterbestätten durch gesetzliche, technische und andere
Schutzmaßnahmen langfristig zu erhalten.


Über die von den Unterzeichnerstaaten jährlich vorgelegten Neuanträge entscheidet das UNESCOWelterbekomitee,
das sich aus 21 jeweils für sechs Jahre gewählten Vertretern der Mitgliedstaaten
zusammensetzt. Es prüft, ob die vorgeschlagenen Stätten die in der Konvention festgelegten Kriterien
erfüllen. Hierzu zählen das Kriterium der „Einzigartigkeit“ und der „Authentizität“ (historische Echtheit)
eines Kulturdenkmals oder der „Integrität“ eines Naturdenkmals. Außerdem muss ein überzeugender
Erhaltungsplan vorliegen. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) und die Internationale
Naturschutzunion (IUCN) beraten das Komitee in seiner Arbeit. Weitere Informationen auf der Homepage
des UNESCO-Welterbezentrums: http://whc.unesco.org

 

 

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